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CUBA
Ein
Reisebericht
von Hannes Weiss
Impressionen
aus Cuba 2001
Kuba
und die Menschen auf dieser herrlichen Insel haben meine volle Sympathie. Die
kubanische Gastfreundschaft ist zu Recht berühmt. Es ist erstaunlich, wie
elegant die Kubaner mit ihren Lebensumständen zurechtkommen.
Allerdings:
Vor einiger Zeit habe ich in einer ansonsten sehr guten und seriösen
Zigarrenzeitschrift wieder eine dieser unsäglichen Kitsch-Geschichten über
Cuba gelesen. Stil „Alle Menschen
auf Cuba sind fröhlich, sie musizieren, singen und tanzen dauernd, machen „la
vida loca“ den ganzen Tag und genießen das Leben unter der karibischen
Sonne“. Und sind glücklich und mit dem Tag zufrieden, wenn sie eine Jinetera
sehen, die den schönsten Hintern Havannas hat.
Was
für ein Unsinn ! Das Leben in Cuba
ist für die Menschen unglaublich hart, es fehlt an Allem. Das fängt bei ganz
selbstverständlichen Dingen an: Schon der tägliche Weg zur Arbeit ist –für
unsere Verhältnisse- unvorstellbar umständlich: Selbst für kleine Distanzen
von wenigen Kilometern braucht man teilweise mehrere Stunden. In einem Bus, der
ursprünglich für siebzig bis hundert Passagieren konzipiert wurde, aber regelmäßig
mit über dreihundert besetzt ist. Die singen allerdings nicht ständig. Dafür
fühlen Frauen und Mädchen ständig Hände überall, während sie ihr
Portemonnaie festhalten müssen, damit es nach diesem Erlebnis auch noch
vorhanden ist.
Camello in La
Habana
Mütter mit kleinen Kindern stehen täglich
vor demselben Problem: Wie ernähre ich mein Kind, woher bekomme ich Milch –
und müssen dafür stunden-, manchmal tagelange Reisen auf sich nehmen.
Familien
mit halbwegs erwachsenen weiblichen Kindern sind einem ständigen Druck von außen
ausgesetzt, besonders in Havanna: Die Töchter –soweit sie einigermaßen gut
aussehen- werden ständig angesprochen und belästigt: Weshalb sie denn so
dumm sei und arbeite oder studiere. Studieren, davon habe sie ja sowieso nichts,
weil sie danach doch auch nicht mehr verdiene als eine normale Arbeiterin, wenn
sie überhaupt nach dem Studium eine Stelle finde! Sie könne doch als Jinetera
viel mehr verdienen, indem sie mit Touristen weggehe und Spaß mit ihnen habe.
Und vielleicht lerne sie ja sogar einen kennen, der sie mitnehme nach Europa, wo
sie dann lebe wie eine Fürstin. An einem Tag alleine könne sie doch mehr
verdienen als ihre Eltern in einem ganzen Monat oder Vierteljahr.
Überhaupt,
der Tourismus. Segen oder Fluch ? Nach
dem Zusammenbruch der Sowjetunion und den in der Folge ausbleibenden
Finanzhilfen blieb für Cuba keine andere Möglichkeit, als den Teufel mit dem
Beelzebub auszutreiben und den Tourismus als Devisenbringer zu fördern. Die in
der Folge seit Jahren ständig steigenden Besucherzahlen sorgen zusammen mit der
Freigabe des Dollar-Besitzes für
einen sich beschleunigenden Zerfall von Anstand, Sitte und Moral.
Taxifahrer,
Fremdenführer, Kellner, Jineteros und Jineteras sind Spitzenreiter in der
Einkommens-Skala. Sie können sich in den staatlichen Dollar-Geschäften alles
kaufen. Der Normal-Bürger hat die Alternative entweder ehrlich zu bleiben und
dann stundenlang Schlange zu stehen für einen Laib Brot und die sonstigen Dinge
des täglichen Lebens, oder eben das Spiel mitzumachen und mit halb- oder
illegalen Geschäften seine Familie über die Runden zu bringen..
Im öffentlichen Leben ist die Präsenz
der Polizei unübersehbar – an jeder Ecke stehen Polizisten – allerdings ist
ein hoher Grad an
Motivation und Diensteifer
nicht so deutlich zu erkennen. Zusätzlich ist ständig eine schwer einzuschätzende
Zahl an Geheimpolizisten in Zivil unterwegs.
Im privaten Bereich sind die Bürger einem lückenlosen System an Komitees
unterworfen, an ihren Arbeits-Stellen durch die Gewerkschaft, in ihrem
Wohnumfeld durch „Nachbarschaftskomitees“. Sie müssen ständig
damit rechnen, Rede und Antwort stehen zu müssen, wenn ihr Lebensstandard
sich zu sehr von dem ihrer Nachbarn abhebt. Es sei denn, sie geben immer
etwas ab – eine subtile Form der Erpressung und
Unterdrückung, also.
In den Fabriken ist der Schlendrian
erschreckend, die Produktivität unglaublich niedrig. Der Schwund an Roh- Hilfs-
und Betriebsstoffen ist hoch, bei Fertigprodukten enorm.
Raum für Eigeninitiative wird –
innerhalb der Fabriken – so gut wie nicht gegeben. Planerfüllung zählt. Die
Arbeitszeiten liegen auf dem Niveau Deutschlands in den 50er Jahren. Die Löhne
? Umgerechnet etwa 12 $ US!
Dies sind alles altbekannte Probleme, wir
kennen sie aus den nicht mehr existierenden – weil pleite gegangenen - Ländern
des real existierenden Staats-Sozialismus.
Er nimmt den Menschen - im heutigen Umfeld
– jegliche Perspektive und verdammt sie zum dahinvegetieren in einem System,
das persönliche Wünsche gnadenlos missachtet und für Initiative nur die
Grau-Zonen am Rande der Legalität offen
lässt.
Mit dem normalen, staatlichen Einkommen
kann heute in einer der größeren Städte ein Familienvater seine Familie nicht
mehr ernähren. Ohne – wie auch immer erworbenes - Zusatzeinkommen würde die
Familie verelenden.
Noch armseliger sieht es auf dem Land aus.
Die Menschen leben teilweise in Hütten, in denen man bei uns nicht einmal Vieh
halten dürfte. Barfüßige Kinder sind öfters zu sehen. Dazu aber später
mehr.
REISEN AUF
CUBA
Wir verlassen Havanna mit unserem
Mietwagen. Die vierspurige, breite Autobahn Richtung Pinar del Rio wird sehr
schnell leer, je mehr man sich von Havanna entfernt. Unter jeder Brücke stehen
Anhalter in Scharen und warten geduldig, meist stundenlang, auf ein
vorbeikommendes Fahrzeug, das sie einige Kilometer weit mitnimmt. Esels- und
Pferdekarren auf der Autobahn sind normal und man sieht mehr davon als Autos. Ab
und zu kreuzt ein Auto die Fahrbahn – um über unsere Spur abzubiegen.
Immer wieder stehen Bauern an der
Fahrbahn, die Queso (Käse) verkaufen wollen – sie haben ein oder zwei Pfund
dabei und stehen in der Fahrbahn, halten ihn hoch um zu zeigen, was sie
anbieten. So stehen sie und hoffen, ein paar Pesos convertibles oder Dollars zu
erlösen.
VALLE DE VIÑALES
In keinem Reiseführer über Cuba fehlen
die Fotos, auf denen dieses Tal mit seinen Hügeln, Tabakfeldern und den
Bauern-Hütten abgebildet ist. Nichts aber kann den einmaligen Eindruck
wiedergeben, den man hat, wenn man auf der Terrasse des Hotels „Los Jazmines“
steht und über das Tal schaut. Die Bilder sprechen für sich.
Valle
de Viñales
VEGAS ROBAINA
Die Plantage der Familie Robaina erreicht
man nur über einen Feldweg mit tief ausgefahrener Spur, er ist mit Löchern und
Gruben übersät. Ohne geländegängiges Fahrzeug hat man hier keine Chance.
Don Alejandro und seine Familie empfangen
uns auf das herzlichste. Wir wurden schon erwartet, da wir unsere Ankunft per
Telegramm angekündigt hatten. Telefonisch geht das nicht, denn in diesem Teil
der Insel sind die Telefon-Anschlüsse sehr selten und die Familie Robaina gehört
nicht zum privilegierten Kreis der
Anschlussinhaber. Don Alejandro’s Sohn Carlos führt uns über die Plantage,
zeigt uns die Anlage für die Setzlinge, den Trockenschuppen und auch die Weide
mit den Ochsen, mit deren Hilfe die Felder umgepflügt werden. Das Auto von Don
Alejandro – ein alter US-Ford aus den 40er Jahren - wird vorgeführt und der
Stand der gerade in Angriff genommenen Restauration erläutert. Momentan fährt
Don Alejandro ein Fahrzeug, das ihm Fidel Castro geschenkt hat, in Anerkennung
seiner Verdienste für Cuba: Einen Lada ! Man fragt sich, in welchem Verhältnis
das steht, bei den Gewinnen, die die Habanos S.A. mit der Marke “Vegas Robaina”
erwirtschaftet und – ganz besonders - mit den traumhaften Tabak-Ernten der
Plantage. Die Familie Robaina erhält für ihre besonderen Tabak dennoch genau
denselben Preis, den andere Vegueros erhalten, ungeachtet der gelieferten Qualität.
Die Menschen hier – obwohl sie tagtäglich
eine stetig steigende Zahl von Besuchern empfangen – sind unglaublich
freundlich und liebenswert. Man nimmt sich Zeit, erklärt alles geduldig und
bietet – mit den bescheidenen Möglichkeiten die man hat - eine herzliche
Gastfreundschaft, die man bei uns so nicht kennt.
Señora Robaina pflückt extra für uns
kleine Chili-Schoten von einem Strauch in ihrem Garten und verpackt sie
liebevoll in Papier.
Chilis
in Robainas Garten
Währenddessen sitzen wir auf der Veranda und reden mit Carlos über
seine Arbeit, seine Pläne und Wünsche. Er möchte die Tradition seines Vaters
fortsetzen. Neben uns spielt sein etwa 7-jähriger Junge auf dem Boden der
Veranda. Ich sage: „Er wird
einmal Millionär sein, wenn er die Plantage übernimmt..... ! Diese Vega wird
wegen ihres einmaligen Tabaks heiß umworben sein, wenn irgendwann in nicht
allzu ferner Zukunft das Embargo fällt und Cuba
sich der Marktwirtschaft öffnet.“
Daraufhin erzählt man uns, wer erst vor Kürze
hier zu Besuch war. Sehr interessant. Die Großen der Branche stehen also schon
vor der Türe ..... !
Die Vegueros sind die einzigen
Privatpersonen, denen in Cuba Landbesitz gestattet wird. Eine vernünftige
Entscheidung, damals, Anfang der 60er Jahre. In den nächsten Jahren könnte sie
sich allerdings zu einem großen Problem entwickeln. Dann, nämlich, wenn die
Vegueros frei sind, ihren Tabak am freien Markt zu verkaufen. Innerhalb kurzer
Zeit könnte der Markt aufgrund der Nachfrage der amerikanischen Tabak-Giganten
leergefegt sein und die kubanischen Fabriken stehen dann vor leeren
Tabak-Lagern.
Nach einem überaus
herzlichen Abschied fahren wir zurück nach Havanna. Sehr nachdenklich.
CIENFUEGOS
Cienfuegos, mi amor. Diesen Satz kann ich
aus vollem Herzen unterstreichen. Eine wunderschöne, kleine Stadt, voller Leben,
mit einem beeindruckenden Zentrum .
Cienfuegos
Wir
sitzen im Restaurant „Cueva del Camaron“. Draußen regnet es in Strömen,
ein tropisches Gewitter hatte sich schon am Nachmittag angekündigt, als wir an
der Uferpromenade sitzend uns über Barbaras Möglichkeiten unterhielten, auf
einigermaßen legalem Wege etwas Geld zu verdienen.
Das Restaurant bietet eines meiner
Lieblings-Gerichte: Gambas in Olivenöl, mit Knoblauch und viel Chili. Dazu
einen – recht guten - einheimischen Wein, der interessanterweise den Namen
„San Cristobal de la Habana“ trägt. Die Gambas sind so gut, dass ich eine
zweite Portion esse. Draußen blitzt und donnert es, der Regen hat die Strasse
mittlerweile in einen unpassierbaren kleinen See verwandelt.
Die mitgebrachte, bei La Corona gefertigte
Esplendido schmeckt nach dem kräftigen Essen hervorragend. Barbara und ich
unterhalten uns mit Maylin, der überaus freundlichen und liebenswürdigen
Bedienung. Sie ist eine reizende
Dame, etwa Mitte dreißig und erzählt uns, dass sie zusammen mir ihrem Mann in
einem kleinen Haus direkt am Strand wohnt und gerade dabei ist, zwei
Fremdenzimmer einzurichten, mit Blick auf das Meer.
Am nächsten Tag schauen wir uns die
Zimmer in der Calle 35 Litoral 4B an. Eine wunderschöne Lage, herrlicher Blick
über das Meer. Der Standard der
Zimmer ist – für kubanische Verhältnisse - ordentlich.
Cienfuegos ist eine Perle, obwohl es heute
eine bedeutende Industriestadt und seit Jahrzehnten schon die Drehscheibe für
den Zucker-Export ist. Es bietet unter architektonischen Gesichtspunkten ein
paar wunderbar erhaltene oder restaurierte Gebäude im Kolonial-Stil. Die Bilder sprechen für sich !
TRINIDAD
„Weg hier, nur weg !“ Meine ersten
Gedanken bei der Ankunft in Trinidad. Die Fahrt durch die ehemaligen Ländereine
der reichen Zuckerbarone und ein kurzes Stück entlang der Küste war herrlich.
Aber Trinidad – ich weiß nicht. Je näher
wir dem Zentrum gekommen sind, umso mehr werden wir von Jineteros verfolgt. Sie
halten unser Auto an, da wir an unserem Kennzeichen ohne weiteres als Touristen
zu erkennen sind und bieten uns alles Mögliche an – Zimmer, ihre Schwester,
eine Stadtführung oder was sonst noch alles. Zigarren natürlich auch.
Trinidad selbst hat mich überhaupt nicht
beeindruckt. Man muss schon sehr romantisch veranlagt sein, um in den alten,
halbverfallenen Häusern und Hütten nur die malerische Kulisse einer alten
Kolonialstadt zu sehen. Für mich hat das Elend und die Armut der hier lebenden
Menschen dominiert, hat sich so
stark ins Blickfeld gedrängt, dass ich nichts „malerisches“ und keine
„Romantik“ mehr empfinden konnte. Die Menschen haben keine Arbeit, keine
Perspektive und leben nur von Tag zu Tag.
Der dekorative Oldtimer, der in fast jeder
Zeitung, in jedem Reiseführer abgebildet ist, steht seit Jahren an derselben
Stelle und rostet vor sich hin. Ein Foto ? Kostet 2 Dollar !
Wir haben unseren Aufenthalt abgekürzt
und sind früh am nächsten Tag weitergefahren, in die Sierra del Escambray.
Ein guter Entschluss, wie ich meine.
SIERRA DEL
ESCAMBRAY
Diese Landschaft, in der sich Che Guevara
1958 mit einer kleinen Schar von Revolutionären während der Kämpfe
versteckte, ist wunderschön und überwältigend.
Auch in den Jahren nach 1960 wurde in
dieser Region im Zuge der „Konterrevolution“ weiter gekämpft. Erst 1966 kam
sie zur Ruhe. Vor 50 Jahren war dieser Landstrich eine fast undurchdringliche
Wildnis und damit als Versteck ideal. Man kann sich heute noch lebhaft
vorstellen, welch primitive und harte Bedingungen die Menschen auf beiden Seiten
damals wohl zu ertragen hatten.
Kleine aber gut ausgebaute Straßen durchziehen heute diese Landschaft. Immer wieder
sieht man kleine Felder, auf denen der wunderbare kubanische Kaffee angebaut
wird – die Ernte gehört immer dem Staat !
Über Manicaragua fahren wir zurück nach
Havanna. Auf der Autobahn sieht man des öfteren auf dem Standstreifen Arbeiter
mit Traktoren und Anhängern. Sie breiten Kaffee-Bohnen auf dem heißen Asphalt
zum Trocknen aus. Nach einigen Stunden wird alles wieder zusammengekehrt, in Säcke
abgefüllt und auf den Anhängern abtransportiert.
Kurz nach der Auffahrt auf die Autobahn
werden wir von der Polizei angehalten. Der Beamte bittet uns – sehr höflich
aber auch bestimmt - zwei seiner Kollegen mitzunehmen. Wir tun das gerne.
Schweigsam sitzen die beiden Polizeibeamten im Fonds des Wagens. Auf unsere
Frage erzählen sie uns, dass sie auf der Rückreise von ihrer Familie sind. Ich
freue mich, reise ich doch zum ersten Mal unter „Personenschutz“ !
HAVANNA
Nach der Freundlichkeit und
Hilfsbereitschaft der Menschen auf dem Lande wirkt Havanna doch wieder etwas ernüchternd.
Großstadt-Flair, eben. Über Havanna selbst ist genügend geschrieben worden.
Es erübrigt sich also, hier nochmals über den „morbiden Charme Havannas“
(oder was man sonst noch so liest) zu berichten.
Anerkennenswert ist jedoch, was das
Investment der UNESCO in der Altstadt mittlerweile schon bewirkt hat: Zum Teil
wunderbar restaurierte Gebäude und Straßenzüge lassen erkennen, wie schön
diese Stadt in einigen Jahren sein wird. Es scheint seinen Vorteil zu haben,
dass dieses Projekt über eine selbstständige Aktiengesellschaft abgewickelt
wird, die die restaurierten Gebäude vermietet und aus den erwirtschafteten
Gewinnen neue Projekte finanziert. Ein intelligentes Konzept, das seinem
Erfinder und Initiator Eusebio Leal wirklich zur Ehre gereicht!
Einige Beispiele seien genannt: Das Hotel
Florida, mit einem wunderbaren Patio und sehr schönen Zimmern. Das Hotel „Conde
de Villanueva“ oder der Drugstore „Johnson“.
LA
CORONA
Ein Juwel unter den Zigarrenfabriken. Die
größte und – wie die Mitarbeiter stolz behaupten - die beste kubanische
Zigarrenmanufaktur mit etwa 700 Mitarbeitern, die hier ungefähr 18 Millionen
Zigarren pro Jahr herstellen.
Bei La Corona, früher an dem Kürzel
„FR“ auf den Zigarren-Kisten und Cabinets erkennbar, werden manche der größten
Zigarren Kubas gefertigt: Punch und Hoyo Double Coronas, Ramon Allones
Gigantes, Monte A’s und Hoyo Particulares. Die beiden Sonderserien der Cuaba
Salomones stammen natürlich ebenso aus der Galera von La Corona. Auch Cohiba
Esplendidos, die Siglo-Serie und mittlerweile selbst die Lanceros, sind im
Fertigungsprogramm, Und die Zigarren der neuen
Marke „San Cristobal de la Habana“ werden
exklusiv bei La Corona gerollt, worauf man besonders stolz ist.
In den Räumen bietet sich das bekannte
Bild. Hunderte von Frauen und Männern sitzen an ihren Arbeitstischen, rollen
Puro um Puro und werden dabei von einem Lektor unterhalten. Recht oft allerdings
sieht man auch Walkman-Kopfhörer, besonders viele bei den jüngeren
Mitarbeitern.
La
Galera in La Corona
Im Bereich Qualitäts-Sicherung wurden in
den letzten Jahren die Normen ständig
erhöht, um das Qualitätsniveau auf einen Level zu bringen der die berechtigte
Kritik der vergangenen Jahre wieder
verstummen lässt. Wohl mit Erfolg, denn die Zigarren die in der der letzten
Zeit am Markt zu finden sind machen wieder einen tadellosen Eindruck
Hannes
Weiss in La Corona
Ein anderes Kapitel: Die Bezahlung der
Arbeiter. Seit vielen Monaten hat
La Corona ein ähnliches System wie El Laguito. Einen Teil des Lohnes erhalten
die Mitarbeiter in Pesos Convertibles, abhängig vom Gewinn, den die Fabrik
erwirtschaftet. Leider waren die Ergebnisse in den vergangenen Jahren aber nie
sehr erfreulich, bedingt durch die Knappheit an Rohtabak zu Anfang des Jahres
2000 und in den folgenden Jahren durch die teilweise dramatisch verlaufende
Normalisierung der Nachfragezahlen, die in der Fabrik zu Kurzarbeit in
erheblichem Umfang geführt hatten.
Eine kleine Anekdote aus dem Jahre 2000:
Im Lagerraum, dem sogenannten „Armoire“, zeigt man mir wunderschöne
Zigarren mit unglaublichen Maduro-Deckblättern. Diese Zigarren lagern hier
schon einige Monate. Habanos S.A. verweigert die Abnahme, weil die Deckblätter
zu dunkel seien. Denn die Kunden wollten angeblich Claro-Cigarren, da sie
„dunkel“ mit „stark“ assoziieren würden und der Trend bei den
Aficionados ginge zu milden Puros. Aus diesem Grund seien diese Cigarren zu
vernichten …. !
Edicion
Limitada Partagas Piramides, HW
Ich kann das nicht glauben und
interveniere mit guten Argumenten.
Einige Stunden später , im Büro des
damaligen Direktors Jose Gonzalez, wird die Idee geboren, diese Zigarren als
Edicion Limitada auf den Markt zu bringen .
Mit Pepe in seinem Büro in La
Corona
Am nächsten Tag marschierte er mit dem Konzept zu Roberto Delgado, dem
Marketingdirektor der Habanos S.A. …. und die Edicion Limitada war geboren.
Wir diskutierten damals auch lange über die momentanen Probleme, die Schwierigkeiten und
auch über die kommenden Jahre und die zu erwartenden Veränderungen für die
Fabrik. Ich empfehle Jose, soweit das ginge, ein Lager an Rohtabak anzulegen um
die Fabrik auch über ein oder zwei Jahre produktionsfähig zu halten wenn
einmal die Versorgung mit Rohtabak stocken sollte.
Der
heutige Direktor von El Laguito
Denn damit ist zu rechnen. Irgendwann wird
das Embargo fallen, in nicht allzu ferner Zukunft. Neben amerikanischen
Touristen werden auch Geschäftsleute das Land überfluten und es wieder fest in
den Griff nehmen. Alles wird sich ändern. Und, sehr schnell, werden die Preise
für kubanische Tabake gewaltig steigen. Wir können uns ausrechnen, welche
Auswirkungen dies für die Preise und die Verfügbarkeit unserer geliebten
Havannas mit sich bringen wird. Viele Formate werden verschwinden. Andere im
Preis kräftig steigen. Die eine oder andere Marke wird es nicht mehr geben Auch
die heute vorhandene Vielfalt in Geschmack und Aroma der einzelnen Zigarren dürfte
verloren gehen. Die Zigarren werden sicher – was die handwerkliche Qualität
angeht - besser werden.
Man kann diskutieren, was besser ist. Ich
persönlich liebe die Havannas so wie sie heute sind. Sie schwanken in ihrer
Qualität, sicher: Nach unten, aber auch nach oben. Und das bedeutet: Wenn die
Ernten gut sind, bekommt man Zigarren höchster Qualität in Bezug auf Aroma und
Geschmack.
Hannes Weiss
Mitte 2001
Alle
Fotos : Hannes Weiss
Copyright ©
Hannes Weiss
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