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Um es gleich vorweg zu sagen: Ja, ich habe mich wohl gefühlt.
Schon
beim Einchecken im Hotel stellte ich zu meiner Erleichterung fest, dass
man meine Sprache weitestgehend verstand.
Ist auf Reisen in unzivilisierte Landstriche schließlich keine Selbstverständlichkeit.
Da
ich früh dran war, zog ich also erst mal los und sah ein tolles Fußballstadion,
eine wunderbare Ausfallstraße sowie ein riesiges Krankenhaus. Prima aufgeräumtes
Städtchen dieses Regensburg, dachte ich.
Klar gegliedert, übersichtlich, schnörkellos. Vielleicht ein bisschen
nüchtern, geradezu unbayerisch.
Natürlich
war ich instinktiv in die falsche Richtung gelaufen und konnte so die
Altstadt zielsicher vermeiden. Auch ´ne Leistung.
Zurück
im Hotel dann so ein vertrauter Geruch, immer der Nase nach und schon
mitten drin. Juhuuu!
Zunächst
konnte ich ohne weiteres feststellen, dass es Dieter und mir in den letzten
2 Jahren mühelos gelungen ist, die Vorgabe „Alte Säcke Smoke" mit
dem Wortsinne entsprechendem Leben zu füllen.
Aber
Dieter, bis zum nächsten Mal lasse ich Dir gerne ein bisschen Vorsprung.
Bist schließlich der Gastgeber.
Rotkäppchen
auch in Regensburg
Die
Gruppenzusammensetzung war hinsichtlich des Ausländeranteils ein repräsentativer
Querschnitt durch die deutsche Gesellschaft, schätzungsweise gefühlte
30%. Immerhin hatten wir eine Kolumbianerin, einen Spanier, einen Ostmärkler
und einen Rheinländer zu bieten.
Exotik
pur, sozusagen.
Überhaupt,
die Kolumbianerin. Was für eine Frau. Eine Torcedora sei sie, mindestens
Grad neun womöglich. Hieß es hinter vorgehaltener Hand.
Hannes
und Nino zwischen Schönheiten
Selbstversorgung
läge bei dem geradezu legendenhaft geschilderten Konsum von Wolf dem Älteren
auch nahe.
Aber
ach, war nix. Sie macht in Mode. Egal.
Ich
habe natürlich keine Sekunde daran geglaubt. Also an das mit der Rollerin.
Weil,
die Rollerinnen die ich bisher getroffen hatte, waren nämlich irgendwie
anders. Ich will das nicht näher ausführen, aber ich war immer froh, dass
die Sache mit dem Rollen auf den Schenkeln nur ein Gerücht ist.
Ich möchte mir nämlich den Glauben nicht nehmen lassen, dass die Salz-
und Pfeffer- Noten meiner geliebten Bolivar Corona Gigantes nur auf eine
reine Tabakfermentation zurückzuführen seien.
Apropos
verlieren, bevor jemand beim Lesen der Appetit vergeht, sollte ich wohl
zum Thema zurück.
Der
Abend war sehr nett, wir waren schließlich alle ganz lieb zueinander.
Stocki
und H_a_wanna
Nino
und Mad Max
Das
Essen war übrigens ziemlich gut. Immerhin muss man bedenken dass es von
einem jugendlichen Kellner serviert wurde, dessen Frisur und Haarfarbe
mir ständig Assoziationen an nasses Schäferhundfell aufdrängten.
Aber
nach sorgfältiger Inspektion meines Tellers stand dem ungetrübten Hochgenuss
praktisch nichts mehr im Wege.
Wolf
der Jüngere, rechts
Sehr
gut gefallen haben mir übrigens die Zehnerschuber für Stogies, die einige
wohl von Urs mitgebracht haben. War ich gleich ganz neidisch. Man kann
die ganz leicht amortisieren. Einfach mit zehn Zigarren aufsteigend von
Corona über Lonsdale und Churchill bis Monte A bestücken. Dann Kappe abnehmen,
bunten Poncho überwerfen, in die Fußgängerzone von Regensburg gehen, das
Ding an den Mund setzen, Kassettenrekorder an, fertig.
Meistens
gibts die Kohle sofort, damit man gar nicht erst loslegt. Drei bis vier
Samstage, dann reichts noch für `ne Epicure oben drauf.
Immerhin
haben wir nicht nur geraucht sondern auch die Zigarrenwelt und die deutsche
Wirtschaft gerettet, den bayerischen Katastrophenschutz neu geordnet,
Humidore selbst gebaut, Häuser aus eigener Kraft renoviert, Flugzeuge
geflogen, Zwölfender geschossen, Kalamares gefangen, Käppchen verteilt,
englische Witze gehört, schmutzige Witze erzählt, mühelos das Niveau gesenkt,
ach ja, es gab auch ein leckeres Dessert.
Ich habe sogar eine oder zwei Zigarren geraucht (Danke Hannes! Warum eigentlich
ein Belicoso und keine Lonsdale?).
Nicht
ganz schlecht für einen einzigen Abend, oder? Wovon ich nebenbei bemerkt
auch sehr beeindruckt war, sind die mannigfaltigen handwerklichen Fähigkeiten
von Charles.
Stocki,
H_a_wanna und Charles
Es
gibt anscheinend nix, wo der Kerl an Haus und Hof nicht selbst Hand anlegt.
Alles aufzuzählen wäre zuviel,aber lasst es mich so sagen: wenn dieser
Mann mit seinen Findigkeiten jemals zum radikalen Islam übertritt, sind
wir alle verloren.
The
day after. Während ich morgens in meinem dumpfen Hirn noch versuchte dahinter
zu kommen, ob mir in der Nacht eine Ratte ins offene Maul geschissen hatte,
saß der Stocki schon bei der ersten Weissen und Zigarre da. Chapeau! Du
wirst immer der Mann mit dem stählernen Gaumen für mich sein.
Überhaupt,
das Frühstück. Ich weiß ja, dass ethnische Minderheiten mitunter für mitteleuropäische
Zungen gewöhnungsbedürftige Essgewohnheiten haben.
Hannes
und sein deftig gutes Frühstück
Ich
hab auch prinzipiell nichts dagegen, aus anderleuts Gedärm was herauszukratzen.
Aber das dann anschließend noch zu essen war für mich doch ein eher kühner
Gedanke.
Macht
aber nix, bin ja tolerant und kann gönnen.
Was
dem Regenwäldler sein Tausendfüssler, dass ist dem Regensburger seine
Weisswurscht.
Alle
Frühverschwinder haben übrigens eine famose Stadtführung verpasst, die
die liebe Andrea, ihres Zeichens hauptberufliche Bikerin, mit kundigem
Wort und strenger Hand geleitet hat.
Regensburg
ist schön.
Viel altes Gemäuer hats da. Das Wetter war unglaublich. Rasend viele Menschen
unterwegs. Ich möchte an dieser Stelle ein Hoch auf den Erfinder des Stringtanga
ausbringen. Zu Einzelheiten dürft Ihr den Dieter befragen.
Ansonsten
schlägt in Regensburgs Mitte ein rotes Herz, was mir Hoffnung macht .
Nino
und ich hatten einen Spaß mit der Entdeckung diverser Ethnoshops, scheint
hier einen guten Nährboden dafür zu geben. Ihr kennt das alle, bunte Indianerbilder,
indische Wallegewänder, Totenkopfaschenbecher und diverse Kiff- Geräte.
Außerdem
waren über die Innenstadt eine erkleckliche Anzahl irische Pubs verteilt.
Eigentlich ganz nett, aber deren Erfolgskonzept habe ich nie begriffen.
Das muss mir mal wer erklären: Da hocken lauter traurige Physikstudenten
zusammen, tragen viel zu warme Strickpullover, saufen Guinnness und suhlen
in nostalgischen Erinnerungen an ein Land, in dem sie nie gelebt haben.
Muss
ich bei meinem nächsten Mojito in unserer Havannabar mal ernsthaft drüber
nachdenken.
Musik
gab es auf der Strasse wohl auch. Es war Mittelalterfestival. Ihr wisst
schon, die hohe Zeit zweier bestimmter Menschensorten. Die einen sind
versprengte Ökos, die sich in grobes Leintuch hüllen, Schnabelschuhe tragen
und dann diese schwangere Gitarre mit der Kurbel dran quälen. Sie sehen
sich in der Tradition der Bänkelsänger.
Die
anderen halten sich für die Reinkarnation von Kriegern und Rittern. Sie
lassen sich keine Gelegenheit entgehen, bei 36° im Schatten im Kettenhemd
herumzustolpern und mit Beidhändern aufeinander einzudreschen. Wenn mal
gerade kein Mittelalterfestival ist, sitzen sie alle gemeinsam im irischen
Pub.
Zum
Schluß danke ich noch mal Nino, der uns „a l`espagnole" ins Cafè
geführt und allen einen entspannten Ausklang beschert hat.
Grüße
aus dem stürmischen und nassen Rheinland von
Wolf
dem Jüngeren

Gemütliche,
übersichtliche Runde :
Regensburg
Tour mit Andrea und Dieter :
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