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Aber es ist der Anflug auf Sao Paulo Guarulhos, dem Internationalen Flughafen dieser viertgrössten Stadt der Welt. Elf Millionen tummeln sich in der Stadt, Siebzehn sind es im Umkreis. Und der ist gewaltig. Aber, es ist erstmal frisch in Sao Paulo, von wegen Sommer - nicht mehr als 25 und Nieselregen. Das Hotel ist purer Luxus, im Financial District, was immer das heisst. Es liegt nahe der Innenstadt - zwischen Luxushotels und Bürogebäuden stehen Favelas. Überhaupt ist es eine Stadt der extremen Extreme. Ich schlafe ein paar Stunden und mache mich dann mit einem Kollegen auf in die Innenstadt. Es ist Sonntag, deswegen tun wir uns das auch an, denn heute brauchen wir dafür nur ca. 20 Minuten flotte Taxifahrt statt quälende 2 Stunden an einem Wochentag. Der Verkehr ist genauso mörderisch wie die Kriminalität. Nur zäher.
Wir fahren in das historische Zentrum des Molochs Sao Paulo auf der Suche nach einem Flohmarkt, zuerst besuchen wir den Mercado Municipal.
Dort laufen wir durch die Stände und essen im ersten Stock riesige „Carne Seca" und Mortadela Sandwiches. Dann beschliessen wir zu Fuss zur Kathedrale zu spazieren, die Suche nach dem Flohmarkt haben wir aufgegeben, der ist Samstags. Wir sehen alles, in diesem Spaziergang durch die Strassen der Innenstadt, aber nichts schönes - im Gegenteil. Obdachlose, Arme, Drogenabhängige, Geistesverwirrte, Einwanderer, Indios, eine bedrückende Mischung. Alles ist bedrückend hier. Schmutz, Kleinhandel, Verfall, Graffitti, Dreck, Militärpolizei.
Überall liegen Menschen auf der Strasse, auf dem Beton des Platzes, unter den Denkmälern, einfach so in der Weite des Platzes. Keiner kümmert sich um diese Menschen, sie werden ignoriert.
Eine Gospelkapelle spielt, einige Männer predigen aus der Bibel, aber die Menschen die sie anschauen sind stumpf, leer, nicht anwesend. Kaputte Existenzen. Zombies.
Alles ist versifft, dreckig, die Menschen haben den Tausendkilometerblick. Man fühlt sich irgendwie unwohl, nicht unbedingt im Vorhof zur Hölle, aber bereits im Purgatorium. Deprimierend.
Wir nehmen uns ein Taxi wieder ins Hotel. Ernüchtert.
Dabei ist dies die Metropole Brasiliens, 6 Millionen Autos, 92 Konsulate, 50.000 Kneipen, 2.000 Nachtklubs, mit 500 Hubschraubern die zweitgrösste Flotte der Welt. 16,5 Millionen Touristen pro Jahr, davon 17% Ausländer. Jedenfalls brauchen wir jetzt einen Drink an der Bar - eine sehr schöne mit Zigarrenangebot.
Es ist der 11.11. - und wir sind in Brasilien, also kommt die rote Jeckennase raus, man muss die Feste feiern wo sie gerade fallen. Caipirinha zur Fassenacht.
Am nächsten Tag wollten wir eigentlich einen Ausflug machen. Ich wäre am liebsten wieder an den Süd-Atlantik, runter an die Hafenstadt Santos und hoch nach Ilha Bela oder Paraty, aber bei dem Wetter ?? Und das gleiche gilt für Embu das Artes, ein Künstlerort oberhalb Sao Paulo mit einem schönen, deutschen, Restaurant O Garimpo. Bei Nieselregen und grauem Himmel macht alles wenig Spass. Dazu läuft meine Nase - ich bekomme meine Erkältung nicht los. Also laufen Bernd und ich mal in das andere Extrem. Stadtteil Jardins. Die Villen mit Natodraht, Strom und Videokameras plus privaten Wachen gesichert. Alles vom Feinsten hier.
Van Cleef & Arpels, Cartier, Boss, Montblanc. Zuerst aber ein Stop bei Private Collections, einem Vintage Car Dealer. http://www.privatecollections.com.br/
Bernd sammelt Motorräder und interessiert sich für alte Autos, der Taxifahrer auch, also zeigt er uns mal was schönes.
Danach ist Harley Davidson dran.
Weiter geht es in die Alameda Lorena 1821 und den Davidoff Laden. Sehr schönes altes Haus mit freundlichem Service, gutem Angebot und einer schönen Cafe-Lounge.
Wir laufen die Alameda Lorena hinunter und schauen uns bei 1575 Tabacaria Caruso an, wenig Zigarren aber schöne Accesoires, besonders die Aschenbecher.
Hier ist die Haut Volee der Stadt, die Reichen und Schönen - und davon gibt es viele.
Die Windhunde haben einen Mantel an. Die anderen Hunde werden von Hausmädchen zum spazieren gebracht.
Die Apotheken bieten Viagra im Sonderangebot an, daneben ein La Perla Dessous Geschäft.
Es ist das andere Extrem zu gestern. Am Ende bleiben wir bei Ranieri Pipes & Cigars, 1221 Alameda Lorena hängen, eine sehr schöne, lange Bar, gute Auswahl an Zigarren, freundlicher Service. Ich hole mir vier Brasilzigarren aus Bahia zum probieren. Dona Flor, Alonso Menendez und Damatta Robusto sowie eine Churchill Graduado 2006.
Dazu ein Bier.
http://www.ranieritabacaria.com.br/ Im gleichen Haus gibt es im 30 Stockwerk eine Bar, The View, mit imposantem Blick über Sao Paulo. Die hat aber zu. Genauso wie das Cafe Photo, ein Glamourtreffpunkt wo allerdings auch viele „Professionelle" Begleiterinnen warten. Eintritt sind schlappe 80 Euros mit Recht auf 4 Drinks. Auch die Rooftop Bar im Hotel Unique bietet atemberaubende Aussicht bei einem Drink - ohne Begleitung. Ein anderer - guter und eleganter - Nachtklub ist das „Rey Castro" - man kann seine eigenen Zigarren mitbringen.
Es geht zurück ins Hotel, etwas die Eindrücke verarbeiten. Dann wieder Treffen auf einen Drink und eine Zigarre an der Bar, bevor es zu einer der feinsten Churrascarias der Stadt geht, ins „Fogo de Chao".
Teuer, aber jeden Cent den Preis wert - erstklassiger Service, allerbestes Fleisch, fantastisches Büffet, allerfeinste Weinkarte.
Wir geniessen ein superbes Abendessen. Livin' well in extremis.
Noch ein Cuba Libre und eine Zigarre in der Hotelbar Upstairs.
Leider wird unser geplanter Punch Corona Gorda Tasting wegen Erkältung ausfallen. Aber der nächste Flug geht nach Oman - dort sind es jetzt noch schöne 30 Grad in der Sonne. Kuraufenthalt Überhaupt sind es gute Einsatzpläne - nach Kanton, Sao Paulo, jetzt Muskat, kurz nach Teheran, dann wieder ein paar Tage Sonne im Sandkasten Dubai, und zwischen den Jahren wartet Singapur auf mich.
Livin' well !
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