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Manchmal
ist doch alles Gold was glänzt.
Besonders
wenn die Sonne so prächtig scheint wie in Ashgabad, der Hauptstadt von
– nein -, nicht Absurdistan, obwohl es manchmal so erscheint, sondern
von Turkmenistan.
Hart
an der Grenze zu Iran gelegen, nur ca. 35 Km davon entfernt, an Afghanistan
östlich und am Kaspischen Meer westlich angrenzend, feiert es gerade den
zwölften Jahrestag der „Unabhängigkeit“ von der ex-Sowjetunion.
Über
dem Kaukasus auf dem Weg nach Ashgabad.
Ashgabad.
Im Hintergrund die Berge und Iran.
Der
damalige Präsident der Sowjetrepublik Turkmenistan wurde zum neuen Präsidenten
der Republik Turkmenistan, alles weiterhin mit 99,99 % der Stimmen und
soweit alles auch in bester demokratischer Manier.
Er,
der Präsident, der Chef, der Vater und Führer aller Turmenen, der immer
geduldig lächelnde und sich gönnerhaft gebende S. Nijasow hat sich überall
verewigt, ist überall präsent, sein Bild, sein Buch, seine Sprüche zieren
Strassen, Plätze, Bücher, Wodkaflaschen, es ist die Inkarnation des Grossen
Bruders.
Inge
vor dem Turkmenbaschi Tower.
Das
mindeste was man an jeder Ecke der blitz blanken Stadt zu lesen bekommt
ist : Halk Watan Beyik Turkmenbaschi, in etwa : Lang lebe der grosse Vater
aller Turkmenen.
Wobei
er auch dafür sorgt dass Turkmenbaschi auch wirklich überall ist, denn
die wichtigste Hafenstadt am Kaspischen Meer hat er auch nach sich selbst
benannt, was ja noch verständlich sein könnte.
Weniger
verständlich ist dass er auch die Wochentage sowie die Monate ebenfalls
umbenannt hat.................
Adios
Mittwoch, hola „ Günstiger Tag für die Turkmenen“, Bye Bye September,
hello „ Ruchnama „, was wiederum Buch der Seele bedeutet und wiederum
das Buch ist wonach alle Turkmenen sich richten sollen und, raten Sie
nicht ; natürlich vom Turkmenbaschi selbst geschrieben worden ist.
Turkmenbaschi
heisst jetzt auch der Monat Januar, nicht dass man eventuell vergisst
dass der Chef hier Turkmen........., na ja, also Turkmenbaschi ist wirklich
präsent.
Mit Inge in Ashgabad.
Ansonsten
ist es allerdings sehr ruhig. Wirklich ruhig. Die Stadt, die Menschen,
alles wirkt wie in Watte eingepackt. Wie mit Valium ruhiggestellt. Wie
ein Spielplatz für die Fusion Stalins mit Disney mit Islam mit Kitsch
mit Kamelmarkt mit Irrealem.
In
der Stadtmitte glänzen die neuen, tollen, leer wirkenden Paläste gebaut
vom französischen Baukonzern Bouygues, bewacht und videobewacht und patroulliert.
Die goldenen, blauen und grünen Kuppeln blitzen in der Sonne.
Einige
der Paläste in Ashgabad.
Daneben
die Potemkinschen Dörfer, schäbige Wohnhäuser aus der Sowjetzeit die einfach
eine moderne Stahl/Glas Fassade bekommen.
Alles
ist sauber, rein, überall kehren die Frauen mit den Besen, die Männer
sind am reparieren, aber alles wirkt so gedämpft, so ruhig, so ruhiggestellt.
Am
Mahnmal für die gefallenen Sowjetsoldaten.
Mitten
in der Stadt höre ich zum ersten Mal etwas was mich sehr überrascht :
Musik. Ich erwähne es meiner Frau als hätte ich einen seltenen Regenbogen
erblickt.
Kurz
danach ist es wieder so schön ruhig wie an einem stillen, warmen, langweiligen
Sonntagvormittag auf dem Lande. Nur sind wir hier mitten in der Innenstadt
von Ashgabad, direkt am Monument des Chefs, des grossen TMB, auf deutsch
auch VAT – Vater aller T..............., na ja, sie wissen wen ich meine.
Er,
der TMB/VAT blickt auf uns hinunter von seinem Turm. Überlebensgross,
in Gold, the real Thing, ganze 60 Kg Gold hat man benutzt um ihn so goldig
wie möglich aussehen zu lassen.
Vorn
die „Geburtsgeschichte des Turkmenbaschi auf dem Stier“, darunter das
Turkmenbaschi Museum, dahinter der Turmenbaschi Turm.
Und
er dreht sich, nicht im Kreisel, sondern mit der Sonne, auf die er mit
seinem ausgestrecktem Arm zeigt.
Das
Lied kommt mir in den Sinn, ja, das : Brüder zur Sonne, zur ................,
also, Turkmenen, da ist die Sonne. Alles andere kommt vielleicht mal.
Er
schaut auf die Darstellung seiner Geburt hinunter. Da ist er als, wahrlich,
goldiges Kind, das auf der Weltkugel thront, die ein Stier auf seinen
Hörnern emporhebt.
So
soll er geboren worden sein. Prädestiniert eben.
Gegenüber
dem Grand Turkmen Sheraton Hotel erblicke ich die Weltkugel über dem Kopf
des TMB/VAT. Turkmenistan ist darauf sehr gut zu erkennen, ja, die Kugel
besteht fast zur Hälfte aus dem Land der Turkmenen. Da ist wohl mal der
Pinsel ausgerutscht.
Auch
die Weltkugel ist „Turkmenisiert“.
Ansonsten
aber Tristesse, ruhige, bedächtige, narkotisierte, Tristesse.
Die
Stadt besitzt keine Altstadt oder ein „Herz“.
Sie
wurde erst Ende des 19 Jahrhundert von Russischen Truppen zur Verteidigung
des Zarenreiches gegründet.
1948
zerstörte dann ein gewaltiges Erdbeben mit 50.000 Toten die Stadt.
Sie
wurde schnell wieder aufgebaut, modern, mit breiten Alleen, Boulevards
und Parks.
Bis
auf die wenigen modernen Hochhäuser ist hier alles maximal 3 Stockwerke
hoch.
Wenige
Gebäude erheben sich im Stadtbild
Im
Markt, dem offenen „Russki Markt“ nebenan, gibt es Honig, Fladenbrot,
etwas Fleisch, etwas Stör, Kräuter, Nescafe und ein Angebot an Videos,
DVD’s und Musik Kassetten für die russische Minderheit die etwa 10 % der
etwa 5 Millionen Einwohner Turkmenistans darstellt.
Auf
dem Russki Bazar.
Freundliches
Angebot an Honig.
Die
wenigen Bücherstände sind voll mit Werken über oder vom TMB/VAT, besonders
sein Standardwerk, "Ruchnama" , wird angeboten.
Literaturangebot
vom Chef Turmenbaschi. Links sein Buch „Ruchnama“.
Es
gibt wenig wofür man sein Geld ausgeben könnte, selbst wenn man es wollte.
Der
Dollar bringt offiziell 5.000 Manat ein, inoffiziell bekommt man dann
einige „Briketts“ aus Scheinen, denn er bringt 23.000 Manat unter der
Hand getauscht ein.
Aber
wohin mit den Geldbriketts ?? Wie ausgeben ?? Das Ballet kostet 1 Dollar
Eintritt.
Ansonsten
gibt es vielleicht 4-5 Restaurants in der Stadt in denen man halbwegs
vernünftig essen kann, ein grosses Türkisches Shopping Center, das Ympach,
und eben Donnerstags und Sonntags den grossen Kamelmarkt, Tolkuchka genannt,
draussen nahe dem Flughafen.
Doch
dort ist nur noch wenig an Kamelen vorhanden, 90 % der Fläche widmet sich
dem Verkauf von Ersatzteilen für andere „Kamele“, nämlich für die Trabbis,
Wartburgs, Ladas, Wolgas und Mokswitsch. Autos die hier immer noch
fahren und sich weniger guter Gesundheit erfreuen.
Einige
der roten Turkmenischen Teppichen und ein paar Fellmützen und fertig ist
der Kamelmarkt.
Ich
hole mir ein paar Honigmelonen mit fantastischem Geruch für einen Snack.
Auch
im Hotel, am Pool, Ruhe, Stille, Frieden, pemanente Siesta.
Ein
Traum............... im wahrsten Sinne des Wortes.
Immerhin,
man darf rauchen, denn ansonsten ist rauchen in der Öffentlichkeit überall
verboten.
Ein
Einheimischer bringt es auf den Punkt : Turkmenistan is a muslim country,
but there are not many restrictions.............
Gianluigi,der
immer freundliche Italiener der das Restaurant im Hotel “Nissa” leitet,
serviert gute Küche, wenn auch mit den Einschränkungen die verständlich
sind, und exzellente italienische Weine. Pizza, Pasta und Brot produziert
hier der Chef aber persönlich, Qualität ist daher garantiert.
Und
zum Dessert gibt es Grappi feinster Qualität. Seit Jahren hier bemüht,
behält er sich wohl die Hoffnung dass in diesem Land irgendwann mal der
Wecker klingelt und das Leben beginnt.
Die
Voraussetzungen wären ideal : Grösste Rohstoffvorhaben, Erdgas in Hülle
und Fülle, Ölvorkommen im Kaspischen Meer.
Dennoch,
dreiviertel der Menschen hier haben nur 30 Euro im Monat. Die Inflation
ist enorm.
Die
Pracht, das Gold, die Prestige Paläste sind Chefsache, dafür ist der Strom
gratis.
Kritik
wird nicht geäussert. Wer kritisiert wird schnell inhaftiert.
Die
Gefängnisse sind gut belegt.
Dafür
ist alles andere sehr leer. Die wenigen westlichen Shopping Centers ;
ein Laden hat auf, eins wird renoviert, 15 sind leer & geschlossen.
Die
wenigen Restaurants sind genauso leer.
Ein
paar Ausländer, ein paar wohlhabende Einheimische mit dem obligatorischen
Handy am Ohr, und dann die vielen, meist russischen Kellnerinnen, die
entweder gelangweilt herumstehen oder alle 3 Minuten das Wasserglas nachfüllen.
Die
einzige anständige Kneipe/Restaurant mit Patio und Happy Hour, das Florida
ist geschlossen oder wird renoviert. Ein exzellentes persisches Restaurant,
das Exclusive ist ebenfalls geschlossen worden.
Gegenüber
dem Florida ist das Istambul, die Lammgerichte sind annehmbar, es gibt
Efes oder importiertes Heineken Bier dazu.
Ansonsten
: Tristesse, toujours Tristesse.
Dazu
die noch real-existierende sowjetische "Service Mentalität
" des Personals. Obwohl sich in dieser Hinsicht einiges
tut.
Die
Menschen an sich sind freundlich und interessiert. Am Russki Bazaar werden
wir in deutsch angesprochen, die Goldzähne strahlen in der Sonne, man
erkundigt sich nach unseren Namen, ob wir Touristen seien, man bietet
uns Honig an, Freundlichkeit hier bei den Bauern und Händlern.
Und
so vergehen die Tage wenn man in der Stadt bleibt.
Am
Hotelpool, eine ruhige Oase mitten in der Stadt.
Man
kann allerdings auch schöne Ausflüge in die Bergwelt um Ashgabad machen,
Wandertouren hoch über der Stadt in der Bergkette Kopet Dagh an der Iranischen
Grenze .
Man
kann auch ein berühmtes Pferdegestüt besuchen, oder eine Fahrt in die
Sole Grotte machen, wo man im schwefligen Wasser schwimmen kann.
Alles
in Allem, eine ruhige, interessante Reise in eines der letzten Raritäten
der politischen Landschaft.
Abflug
aus Ashgabad nach Baku auf der Airshow an Bord.
Copyright
03-2004 © Ninos Flying Cigar

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